Extruder kalibrieren

Extruder kalibrieren
Das Problem

Viele quälen sich unnötig lange durch unzählige Versuche, die richtige Einstellung für die Fördermenge (den so genannten “Flow”) ohne Extruder kalibrieren im Slicer einzustellen und stoßen dann trotzdem immer wieder auf das Problem der “over-extrusion” oder “under-extrusion”.

Eigentlich sollte der vom Slicer-Programm erstellte GCode festlegen, wie viel Filament in den Extruder geschickt wird: “Hallo, Feeder, schiebe das Filament um 10 mm weiter!” – so sollte das jeweilige Druckmodell dann auch perfekt wie berechnet aussehen.

Sollte… denn es ist sehr wahrscheinlich, dass die standardmäßig voreingestellten Förderschritte (“Steps”) nicht korrekt sind. Es wird zu viel oder zu wenig gefördert, vielleicht nur 6 mm statt 10 mm (Folge: “under-extrusion”) oder gar 15 mm statt 10 mm (Folge: “over-extrusion”).

Das lässt sich mittels der “Flow”-Einstellung im Slicer nicht wirklich gut ausgleichen und wird immer an der einen oder anderen Stelle zu schlechten Ergebnissen führen.

Aber das ändern wir jetzt. Wir wollen den Extruder kalibrieren und stellen dafür gemeinsam die “E-Steps” am Anycubic i3 MEGA ein.

Was wir brauchen:

Eines davon sollte sich in jedem Haushalt finden lassen.

Wie wir anfangen:

Extruder kalibrierenSofern gerade kein Filament in eurem Anycubic i3 MEGA eingeführt ist, führen wir wie gewohnt das Filament in den Feeder ein und lassen es von diesem ein bisschen einziehen. Es muss nicht bis ins Hotend vorgeschoben werden und wir müssen auch kein Filament ausgeben bzw. verschwenden. Das ist zum reinen Messen und Extruder kalibrieren insgesamt nicht notwendig, schadet aber auch nicht.

Anschließend suchen wir uns einen festen Punkt, z.B. die Unterkante des unteren Hebels des Feeder, wo das Filament hineingeht.

Falls ihr den Filamentsensor nutzt, empfiehlt es sich, ihn für die Kalibrierung aus reinen Handhabungsgründen wegzulassen. Damit es später keine entsprechende Fehlermeldung gibt, führt in den Sensor einfach ein loses Stück Filament ein.

Dann messt ihr von diesem festen Punkt aus genau 120 mm Filament und markiert die Stelle mit einem Strich auf dem Filament.

Kurz zur Erklärung: Wir wollen gleich 100 mm Filament ausgeben lassen. Damit wir nachmessen können, ob das geklappt hat und es auch genau 100 mm waren, markieren wir bei 120 mm und gucken später, ob erwartungsgemäß auch 20 mm übrig geblieben sind.

Wie es weiter geht:

Sofern ihr Octoprint (in Verbindung mit einem Raspberry) nutzt – was grundsätzlich empfehlenswert ist – sind die folgenden Schritte recht einfach umzusetzen. Geht einfach auf den Reiter “Terminal”.

Falls nicht, müssstet ihr euren Anycubic i3 MEGA via USB-Kabel mit eurem PC verbinden. Anschließend nutzt ihr bspw. Printrun oder – sofern vorhanden – die interne Steuerfunktion des Slicers Simplify3D.

Welche Methode auch immer ihr nutzt, ihr müsst letztlich damit in der Lage sein, kontrolliert GCode-Befehle an euren 3D-Drucker zu senden, um den Extruder kalibrieren zu können.

Jetzt sind die 100 mm dran!

Wir geben nun 100 mm aus. Idealerweise nicht auf einmal, da sich diese Menge ggf. am Hotend aufstauen und somit das Ergebnis verfälschen könnte. Ich habe damals einfach 5x 20 mm hintereinander ausgegeben, jeweils mit einer Sekunde Pause dazwischen.

Über Octoprint könnt ihr das bequem durch Eingabe von “20 mm” und 5-maligem Drücken auf den “Extrude” erledigen. Bei Printrun funktioniert dies ähnlich.

Wir messen!

Jetzt messen wir von unserem zuvor festgelegten festen Punkt bis zu unserer Markierung. Kommen wir hierbei auf genau 20 mm, sind wir fertig und können uns freuen. Es ist keine Kalibrierung notwendig. Dies wird aber in den meisten Fällen nicht so sein, sondern es wird eine Abweichung um mehrere mm geben.

Wir rechnen!

Wir bedienen uns einer einfachen Formel:

( 100 mm / gemessene tatsächliche Länge in mm ) * aktueller “Step”-Wert = neuer “Step”-Wert

Doch, Moment, was ist denn der aktuelle “Step”-Wert? Diesen bekommen wir durch Absenden des GCode-Befehls “M503” über das Terminal. Dort finden sich jede Menge Angaben, u.a.  diese Zeile so oder so ähnlich:

[…]
Recv: echo:Steps per unit:
Recv: echo: M92 X80.00 Y80.00 Z400.00 E92.60
[…]

Da haben wir ihn – den aktuellen Wert. Dieser kann bei euch abweichend sein, aber er steht in jedem Fall am Ende hinter dem “E”.

Fangen wir an zu rechnen. Gehen wir davon aus, dass wir nach dem Fördern von 100 mm nicht wie erhofft 20 mm übrig haben, sondern 25 mm. Es wurden somit also nur 95 mm gefördert. Somit können wir die oben erwähnte Formel wie folgt ausfüllen:

( 100 mm / 95 mm ) * 92,60 = 97,47

Wir haben ihn, unseren idealen “Step”-Wert! Und diesen geben wir nun unserem 3D-Drucker bekannt mittels:

M92 X80.00 Y80.00 Z400.00 E97.47

Wichtig: Kein Komma vor den Dezimalstellen setzen, sondern einen Punkt.

Nun sichern wir all dies noch, so dass der neue Wert auch beim nächsten Einschalten des Anycubic i3 MEGA noch gültig ist und wir das Extruder kalibrieren nicht erneut vornehmen müssen.

M500

Fertig!

Jetzt könnt ihr bei Bedarf das Ergebnis noch kurz überprüfen, indem ihr die Prozedur mit den 120 mm und der Strichmarkierung einfach noch einmal wiederholt. Nun sollte es mit der Restlänge von exakt 20 mm passen.

Zusammengefasst:
  1. 120 mm messen und markieren.
  2. 100 mm fördern lassen.
  3. Verbleibende mm bis zur Strichmarkierung messen.
  4. Differenz mit aktuellem Wert abgleichen und ggf. mit der Formel neuen Wert errechnen.
  5. Neuen Wert eingeben und speichern.

Solltet ihr davor bereits versucht haben mittels der “Flow”-Einstellung in eurem Slicer das Druckergebnis zu verbessern, so setzt diese nun für den ersten Testdruck (z.B. von dem klassischen 3D Benchy) erst einmal wieder auf “100%” bzw. “1.0” zurück.

Und, hat das Extruder kalibrieren bei dir geklappt?

Kommentare (12)

  • GianniBlaze Antworten

    VIelen Vielen Vielen Dank Für diese Anleitung du hast mir echt geholfen, war Kurz davor meinen Any Wegzugeben.

    16. November 2018 at 2:09
  • Michael H. Antworten

    Hammer, gut erklärt! Ich drucke schon so lange und habe mich immer rumgequält mit Flow… Weil ich das noch nie so gemacht habe, peinlich… Jetzt mal genau wie du es beschrieben hast gemacht, und alles ist top! Vielen DANK!!!

    22. November 2018 at 0:54
  • Thorsten Antworten

    Wow echt super gut beschrieben Anleitung. Bei mir waren es auch 6 mm zu wenig. 10 Minuten Arbeit dann war es fertig. Danke

    27. November 2018 at 8:31
  • Benny Antworten

    poah. Das war die Rettung

    Ich hatte die Firmware des i3 Mega aktualisiert und auf einmal wollte kein Druck mehr klappen, die erste Schicht quoll teilweise immer über vor Material bevor der Feeder aufgegeben hat. Der Feeder hat extrem eingezogen und anstatt das Filament zu fördern ist das Zahnrad nur noch durchgerutscht nachdem das Filament im Hot-End war.

    Mit dem M500 Befehl kam raus, dass der Extruder step auf E384 stand und er anstatt 100mm ganze 405mm eingezogen hat!! quasi fast den ganzen Bowden Schlauch entlang (habe 100mm Einzug im Jog Control bei Simplify 3D genutzt)

    Habe es dann korrigiert. Vielen Dank!!

    27. Dezember 2018 at 2:16
    • Ralf Antworten

      Dann hast du die 1.4 Firmware installiert und die ist für den Titan extruder !!!!!! Also den i3-Mega-s oder den umbaukit

      21. Februar 2019 at 6:58
  • Pascal Antworten

    Super Anleitung! Vielen Dank. Habe das gleiche Problem wie ‘Benny’ gehabt. Nach dem Update war die Förderrate bei E384. Für nen Anfänger ne ganz schöne Herausforderung bis man überhaupt das Problem erkennt und herausfindet wie man es lösen könnte.
    Nochmals vielen Dank für die tolle Anleitung und weiter so.

    27. Dezember 2018 at 22:43
    • Ulrich Weber Antworten

      Wenn nach dem E eine Zahl mit 3xx oder 4xx steht, habt ihr die falsche Firmware geflasht.
      Es gibt den Mega und den Mega S, beim Mega S ist ein Feeder verbaut, bei dem die Förderung mir einer 4:1 Übersetzung realisiert wurde!

      24. April 2019 at 14:22
  • Artexsl Antworten

    Danke für die super Anleitung – bei mir waren es auch 6mm zu wenig.
    Bauteil vor und nach Kalibrierung gedruckt – deutliche Verbesserung der Optik.

    1. Januar 2019 at 21:05
  • Mario Antworten

    Bei mir waren es 8mm zu wenig, das Druckbild hat sich deutlich verbessert.
    Vielen Dank für die super Anleitung.

    20. Januar 2019 at 16:45
  • Tristan Antworten

    Danke für die tolle Anleitung. Ich habe auch alle Schritte gewissenhaft und genau durchgeführt. Nach dem speichern mit M500 bekomme ich auch die Rückmeldung Settings stored, jedoch wenn ich dann weitere 100mm durchlaufen lasse zeigt sich keine Verbesserung.

    Anycubic Mega I3 S

    30. Januar 2019 at 16:13
  • project80 Antworten

    Ich hatte dem I3 Mega noch gar nicht an den PC angeschlossen und habe extra für diesen Test den Treiber und Printrun installiert.
    Mein Verdacht war, dass ich eine Unterextrusion ab Werk habe, da die Drucke manchmak etwas “riffelig” waren

    Der Test nach Deiner Anleitung hat auf Anhieb geklappt und meinen Verdacht bestätigt. Es haben fast 4 mm gefehlt, was also einer Unterextrusion um 4% entspricht. Nun ist alles korrigiert und ich freue mich schon auf den ersten Testdruck mit den neuen Parametern.

    Vielen Dank für die Tips. 🙂

    9. März 2019 at 17:22
  • Stefan Antworten

    Hat wunderbar geklappt! Vielen Dank für die Anleitung

    12. März 2019 at 7:51

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